Lehrpersonen-Gesundheit: Argumente

Gesundheit und Lebenskraft sowie Belastungs- und Leistungsfähigkeit bilden für Lehrerinnen und Lehrer zwei Seiten ihrer Profession.

 

Gesunde und wirksame Lehrerinnen und Lehrer zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • sie formulieren erreichbare Ziele und erfüllen ihre zentralen Berufsaufgaben in Bildung und Erziehung gut, sie entwickeln sich selbst weiter und fördern die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Kolleginnen und Kollegen, d.h. sie nutzen ihre Ressourcen wirkungsvoll;
  • sie bewältigen Probleme aktiv, reflektieren regelmässig und pflegen den (selbst-) kritischen Diskurs mit ihren Kolleginnen und Kollegen, mit Schülerinnen und Schülern und Eltern, um ihr Handeln aus verschiednen Perspektiven kritisch zu begleiten, d.h. sie gestalten Prozesse wirkungsvoll;
  • sie klären Aufträge und Mandate und sichern zeitliche und personelle Ressourcen für Kooperationen und Reflexionen, um ihre Ziele und Vorhaben in kleinen Schritten zu verfolgen, d.h. sie gestalten Strukturen wirkungsvoll;
  • sie feiern und geniessen (Teil-)Erfolge selbstwertdienlich, verfügen über eine humorvolle positive Distanz zur eigenen Berufsrolle und pflegen ihre Beziehungen und Leidenschaften, d.h. sie pflegen ihre Kraftquellen.

 

Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist in Gefahr, wenn es zu anhaltenden Dis-Balancen im Kräftefeld zwischen dem persönlichen Anspruchsniveau (Wollen), den äusseren Anforderungen und Bedingungen (Sollen) sowie den eigenen Kompetenzen (Können) kommt:

  • eine Dis-Balance zwischen Können und Sollen kann sich in einer Überqualifizierung oder einer fehlenden Eignung ausdrücken;
  • eine Dis-Balance zwischen Sollen und Wollen kann zur fehlenden Sollerfüllung (innere Kündigung) oder zur Übererfüllung führen;
  • eine Dis-Balance zwischen Wollen und Können kann sich in Selbstverwöhnung (Schonung) oder Selbstüberforderung ausdrücken.

 

Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Lehrerinnen und Lehrern kann unterstützt werden, indem auf das o.g. Kräftefeld positiv Einfluss genommen wird:

  • Gemeinsam entwickelte und transparente Ziele schützen vor falschen Einschätzungen und begrenzen den prinzipiell nach oben offenen Bildungs- und Erziehungsauftrag.
  • Geklärte Aufträge und nutzbare Ressourcen setzen gesundheitsdienliche Massstäbe für Erfolge und Selbstwirksamkeit.
  • Ein gutes, vertrauensvolles und dialogisches Klima, das getragen ist von einer Kultur der Anerkennung und Wertschätzung, bildet das Fundamentfür eine spürbare soziale Unterstützung in einem Kollegiums-Netz.
  • Gemeinsame Fortbildungen, Zusammenarbeit und Reflexionen im Team/Kollegium stärken individuelle Kompetenzen und pflegen das Wir-Gefühl als professionelle Lerngemeinschaft.
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz (z.B. gegen Lärmbelastung), entwickelte Regeln und ihre Durchsetzung (z.B. Klassenregeln) oder individualisierte Lernformen (z.B. Stationenlernen) schützen vor Überlastung der eigenen Stimme.

 

Fazit: Die Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern ist eine immer wieder neu herzustellende sensible Balance zwischen Können, Sollen und Wollen. Und dieses Gelingen führt nicht nur zu mehr Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit, Wohlbefinden und Gesundheit, sondern ist immer auch Ausdruck einer hohen Professionalität.

 

Quelle: Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen Stadt Bern: Handbuch „Schulen gesundheitsfördernd gestalten! Argumente – Schwerpunkte – Ideen“. Stadt Bern, 2007