Glossar

Beziehungsfähigkeit

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE)

Burnout

Chancengerechtigkeit

Curriculum  

Empathie

Empowerment

Entscheidungsfertigkeit

Gefühlsbewältigung

Gender

Gestaltungskompetenz

Gesundheit

Gesundheitsförderung

Gesundheitsfördernde Schule

Gesundheitskompetenz (healthy literacy)

Gesundheitsmanagement (GM)

Kohärenzgefühl / «Sence of coherence» (SOC)

Kommunikationsfertigkeit

Kreatives Denken

Kritisches Denken

Lebenskompetenzen / Lifeskills

Netzwerke

Partizipation

Pathogenese

Peer Education

Prävention

Problemlösefertigkeit

Resilienz

Salutogenese

Schulentwicklung (SE)

Schulklima

Schulprofil

Schul(entwicklungs)programm

Selbstwarnehmung

Settingansatz

Soziale Empfindungen

Siralcurriculum

Stressbewältigung

Wohlbefinden

 

 

Beziehungsfähigkeit bedeutet, Beziehungen zu verschiedenen Bezugspersonen zu beginnen, zu gestalten, aufrecht zu erhalten und auch zu beenden.

 

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein Konzept, das in der Bildung das Leitbild «Nachhaltige Entwicklung/Agenda 21» der Vereinten Nationen um­setzt. Ziel ist eine gerechte Verteilung der Lebenschan­cen jetziger und zukünftiger Generationen. Hierbei wird eine neue Balance zwischen sozialer Gerechtig­keit, ökologischer Verträglichkeit und ökonomischer Leistungsfähigkeit in globalen Herausforderungen und lokalen Möglichkeiten angestrebt. Die Dekade BNE (2005–2014) ist ein UNO-Programm, dem auch die Schweiz (EDK) angeschlossen ist.

 

Burnout ist ein Zustand umfassender psychophysischer Erschöpfung aufgrund «...einer langandauernd zu hohen Energieabgabe für zu geringe Wirkung bei ungenügen­dem Energienachschub.» (Matthias Burrisch: Das Burnout-Syndrom: Theorie der inneren Erschöpfung, Springer: 1989)

 

Chancengerechtigkeit im engeren Sinn sichert die Um­setzung der Menschenrechte auf Bildung und Gesund­heit für alle, unabhängig vom Geschlecht und von der sozialen und kulturellen Herkunft. Untersuchungen zu Bildungserfolgen (z.B. PISA) und zum Gesundheitssta­tus (z.B. HBSC) weisen auf o.g. Abhängigkeiten hin, so­dass im Bildungs- und im Gesundheitswesen der Aus­bau sozialer Chancengerechtigkeiten ein zentrales und aktuelles Anliegen ist.

 

Curriculum bezeichnet die Gesamtheit des Lehr-Lern-Angebotes einer Schule bzw. eines Schulsystems. Curricula sind theoretisch begründet und systematisch aufgebaut, sie enthalten nicht nur Aussagen über Lernvoraussetzungen, Ziele, Inhalte, Methoden und Kontrolle, sondern liefern auch Instrumente für die Realisierung von Ziel-, Inhalts- und Methodenvorgaben. Schulinterne Curricula sind konsensfähige, den individuellen Gegebenheiten einer Schule angepasste Umsetzungen von Kernlehrplänen, die ihrerseits kompetenzorientierte Unterrichtsvorgaben einzelner Fachgebiete/Fächer beschreiben.

Gesundheitscurricula beziehen neben fachlichen auch entwicklungs- und lernpsychologische Aspekte ein. Hierbei werden Gesundheitsthemen nicht linear, sondern spiralig so angeordnet, dass einzelne Inhalte im Laufe der Jahrgänge mehrfach und in Bezug zu aktuellen Entwicklungs­herausforderungen der Kinder und Jugendlichen wiederkehren.

 

Empathie ist die Fähigkeit, sich in eine andere Person hineinzuversetzen. Darüber hinaus bezeichnet Empathie die eigene Reaktion auf die Gefühle anderer.

 

Empowerment. Im Mittelpunkt der Gesundheits­förderung mit Blick auf Individuen steht die Aufgabe, die Entwicklung persönlicher Kompetenzen von einzel­nen zu fördern. Hierdurch soll die (Wieder-)Aneignung von Selbstbestimmung über die Umstände des ei­genen Lebens angestiftet werden, d.h. «... den Men­schen das Rüstzeug für ein eigenverantwortliches Le­bensmanagement zur Verfügung zu stellen und ihnen Möglichkeitsräume aufzuschliessen, in denen sie sich die Erfahrung der eigenen Stärke aneignen und Muster solidarischer Vernetzung erproben können.» (Norbert Herriger, Empowerment in der sozialen Arbeit, Kohlhammer: 2002). Diese Konzeption des «Empowerment» wird von einem positiven Menschenbild getragen, welches lautet: Mit den Stärken wachsen!

 

Entscheidungsfertigkeit. Dies bedeutet, sich für eine Variante entscheiden und das Handeln danach ausrichten zu können. Es kann auch heissen, die Folgen unterschiedlicher Entscheidungsvarianten mit zu bedenken.

 

Gefühlsbewältigung. Bezeichnet das Erkennen der eigenen Gefühle, das Erkennen des Einflusses von Gefühlen auf das Verhalten (Impulskontrolle) sowie die Fähigkeit, auch mit negativen Gefühlen angemessen umzugehen.

 

Gender bezeichnet als Sammelbegriff neben den biolo­gischen auch die sozialkulturellen und psychologischen Merkmale eines Geschlechts. Gender Mainstreaming fasst alle Bemühungen zusammen, die Gleichstellung aller Geschlechterinteressen auf allen gesellschaftli­chen Ebenen durchzusetzen.

 

«Mit Gestaltungskompetenz wird die Fähigkeit bezeichnet, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhalti­ger Entwicklung erkennen zu können. Das heisst, aus Gegenwartsanalyse und Zukunftsstudien Schluss­folgerungen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen in ihrer wechselseitigen Abhän­gigkeit ziehen und darauf basierende Entscheidungen treffen, verstehen und individuell, gemeinschaftlich und politisch umsetzten zu können...» (Empfehlung der "Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland" (KMK) und der "Deutschen UNESCO Kommission" (DUK) vom 15.06. 2007 zur "Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule" (S.5))

Die Gestaltungskompetenz lässt sich in 8 Teilkompe­tenzen aufgliedern:

  • die Fähigkeit, vorausschauend zu denken und die Zukunft als gestaltbar zu begreifen;
  • interdisziplinär zu arbeiten;
  • eine weltoffene Wahrnehmung zu haben und transkulturelle Verständigung anzustreben;
  • an Gestaltungsprozessen aktiv zu partizipieren;
  • Planungs- und Umsetzungskompetenzen zu besitzen;
  • Empathie, Mitleid und Solidarität zu üben;
  • die Fähigkeit, sich und andere motivieren zu können und
  • eine distanzierte Reflexion über individuelle und kulturelle Leitbilder vornehmen zu können. (vgl. Dekade BNE)

Gesundheit ist ein vielschichtiger Begriff, der sich in den letzten Jahrzehnten von einem engeren (medizinischen) zu einem umfassenderen positiven Verständnis gewan­delt hat:

«Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körper­lichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu er­freuen, ist eines der Grundrechte des Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stel­lung.» (WHO, 1948)

«Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: Dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht da­durch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Ent­scheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die ei­genen Lebensumstände auszuüben, sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermögli­chen.» (Ottawa Charta, 1986)

 

Gesundheitsförderung ist ein soziales Konzept zur Gestaltung und Erprobung gesundheitsförderlicher Lebensweisen und Lebensbedingungen. Mit dem Be­zug zu Gesundheit (Salutogenese) «... zielt Gesund­heitsförderung auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Mass an Selbstbestimmung über ihre Gesund­heit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.» Ottawa-Charta, WHO 1986) Im Mittelpunkt stehen hierbei Verfahren der Beteili­gung (Partizipation), mit deren Hilfe soziale Erfindun­gen möglich und individuelle Kompetenzen gestärkt werden sollen (Empowerment). Als grundlegende Hand­lungsstrategien der Gesundheitsförderung sind in der Ottawa-Charta genannt: Interessen vertreten (‹advoca­cy›), befähigen und ermöglichen (‹enable›) sowie vermitteln und vernetzen (‹mediate›). In fünf Handlungsebenen (Individuen, Gruppen, Institutionen, Lebenswelt, Politik) sollen mit Hilfe des Setting-Ansatzes Strukturen entwickelt werden (Netzwerke, Kompetenzzentren, Ge­sundheitszirkel usw.), die den o.g. Anspruch wirksam und langfristig sichern.

 

Gesundheitsfördernde Schule ist eine organisatorische Einheit, die mit Hilfe gesundheitsorientierter Strate­gien und unter Beteiligung möglichst vieler Betroffener einen gesundheitsorientierten Schulentwicklungsprozess mit dem Ziel einleitet, die eigene Schule zu einem gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz sowie Lern- und Lebensraum zu gestalten. Hierbei verbessert die Schule Schritt für Schritt das eigene Schulklima, gestaltet den Unterricht gesundheitsorientiert, erweitert Schlüssel-Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrpersonen und entwickelt so ihr Schulprofil. Gesundheitsfördernde Schulen erzeugen eine gute Gesundheits-, Erziehungs- und Bildungsqualität und gehen partizipative und sinnstiftende Wege dorthin. Zu diesem Zweck kann eine gesundheitsfördernde «Lernende Schule» durch Vereinbarung Mitglied eines Netzwerks Gesundheitsfördernder Schulen werden.

 

Gesundheitskompetenz (health literacy) umfasst das notwendige Wissen sowie Einstellungen und Erfahrungen des Einzelnen, «... um im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken – zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein. Gesundheitskompetenz stärkt die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit in Gesundheitsfragen und verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und in Handeln umzusetzen.»

(vgl. Ilona Kickbusch 2006)

 

Gesundheitsmanagement (GM) ist die gezielte, systematische und nachhaltig wirkungsvolle Steuerung von Gesundheitsförderung. GM setzt Führungsverant­wortung voraus, gelingt durch Partizipation und schafft (strukturelle) Verbindlichkeiten.

«Je besser Gesundheitsförderung in Schulen struk­turell und personell verankert ist, desto breiter und nachhaltiger sind die Wirkungen.» (Vuille 2003)

GM nutzt Erkenntnisse und Instrumente der Gesundheitswissenschaft, der Arbeitsmedizin/-psychologie, der Kindheits- und Jugendforschung sowie der Organisationssoziologie, um die Gesundheit sowie die Lern- und Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit von Schüler/innen, Lehrer/innen aber auch von Mitarbeiter/innen der Bildungsverwaltung zu fördern und zu erhalten. (Siegfried Seeger: Gesundheitsmanagement. Der Schlüssel für eine Gesundheitsfördernde Schule. In: Wicki / Bürgisser (2008): Praxishandbuch Gesunde Schule. Bern, Stuttgart, Wien)

 

Das Kohärenzgefühl / «Sense of coherence» (SOC) ist «...eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durch­dringendes, überdauerndes und dennoch dyna­misches Gefühl des Vertrauens hat, so dass

  • erstens die Anforderungen aus der inneren oder äusseren Erfahrenswelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorher­sagbar und erklärbar sind (sense of comprehensibility), und dass
  • zweitens die Res­sourcen zur Verfügung stehen, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden (sense of manageability). Und
  • drittens, dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die In­vestitionen und Engagement verdienen (sense of meaningfulness).»

(Aaron Antonovsky 1993, übersetzt durch Franke & Broda; zitiert in: BZgA Hrsg. (1998): Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert, Köln.)

Der SOC wirkt als flexibles Steuerungsprinzip, das den Einsatz ver­schiedener Verarbeitungsmuster (Copingstile, Copingstrategien) in Abhängigkeit von den Anforderungen anregt.

«Qualitätsvolle schulische Arbeit ist nur dann möglich, wenn Schule als sinnhaft, verstehbar und bewältigbar erlebt wird.» (Georg Israel)

 

Kommunikationsfertigkeit ermöglicht, sich situativ angemessen verbal und nonverbal verständlich zu machen, um Hilfe zu bitten, Fragen zu stellen, in Kontakt zu treten, Wünsche zu äussern etc.

Zur Kommunikation gehören Sprechen und Zuhören, Ausdrücken und Wahrnehmen.

 

Kreatives Denken. Dies ist jene Art des Denkens, die nötig ist, um eigenständige Ideen und Flexibilität zu entwickeln, um über unseren Erfahrungshorizont hinaus zu denken sowie um Alternativen und Konsequenzen unseres Handelns zu erkennen.

 

Kritisches Denken. Dies ist jene Art des Denkens, die nötig ist, um Informationen und Erfahrungen zu analysieren, einzuordnen und zu hinterfragen .

 

Lebenskompetenzen / Lifeskills. Aus Sicht der WHO sollen Schulen alle pädagogischen Möglichkeiten nutzen, um Schülerinnen und Schüler darin zu befähigen, ihr Selbstwertgefühl zu entwickeln, ihren Lebensmut zu fördern, sie zu aktiver und krea­tiver Lebensgestaltung zu motivieren und sie konflikt­fähig für die Bewältigung schwieriger Lebensphasen zu machen. Die Stärkung der Persönlichkeit sowie der sozialen Kompetenzen sollte vor allem durch fünf Basis­kompetenzen erfolgen, die von der WHO wie folgt definiert wurden:

  • Die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung und Einfühlungsvermögen,
  • mit Stress und negativen Emotionen umgehen können,
  • Kommunikation und Kontaktfähigkeit, Selbstbe­hauptung und Standfestigkeit,
  • kritisches und kreatives Denken,
  • die Fähigkeit, Probleme auf eine konstruktive Art zu lösen.

Bestandteil dieser Basiskompetenzen sind ein posi­tives Selbstbild, zwischenmenschliche Beziehungen und Freundschaften aufbauen und pflegen, Widerstand gegenüber Gruppendruck und «Nein»-sagen-können, Entscheidungen treffen, Beeinflussung der Werbung widerstehen usw.

Dieser Ansatz wird aktuell einerseits weiterentwick­elt durch das Konzept der Gesundheitskompetenzen («Healthy Literacy») als auch durch das Konzept der Gestaltungskompetenzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

 

Netzwerke sind Mittel zur Entwicklung von (besseren) Lösungen, aber nicht die Lösung an sich. Netzwerke bestehen aus unterschiedlichen «Knoten» und anpassungsfähigen Verbindungen. Netzwerke bilden sehr leistungsfähige Arbeitsformen, wenn es den Akteuren gelingt, vorhandenes Know-how (Wissens-Ressour­cen), Beziehungen (soziale und kulturelle Ressourcen) sowie Finanzen (ökonomische Ressourcen) aufeinander zu beziehen und aufgabenorientiert zu integrieren.

 

Partizipation ist die Teilhabe von Individuen oder In­stitutionen an Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen. In der Schule ist die Umsetzung der UN-Kinderrechte stark an die Beteiligung von Schülern und Schülerinnen gebunden. Gesundheitsförderung und Schulentwicklung setzen auf Partizipation, indem Betroffene zu Beteiligten werden.

 

Pathogenese beschreibt die Entstehung und Ent­wicklung von Krankheiten mit allen daran beteiligten Faktoren. Sie bildet das leitende Paradigma der Ge­sundheitserziehung und steht im komplementären Gegensatz zur Salu­togenese.

 

Peer Education ist eine Erziehungsstrategie, die auf eine Beeinflussung durch gleichgestellte Personen («peers») hinsichtlich Alter, Geschlecht, Stellung oder Status setzt. Peer Education ist eine weit verbreitete Strategie der Sucht- und Gewaltprävention, Sexu­alpädagogik und AIDS-Prävention.

 

Prävention ist ein expertengeleitetes Instrument zur individuellen Verhaltensbeeinflussung. Mit dem Bezug zu Krankheiten zielt Prävention auf die Vorbeugung bzw. Verhütung von Krankheiten (Primärprävention), auf die Früherkennung von Krankheitsentstehungen (Sekundärprävention) sowie auf die Verhinderung von Rückfällen bzw. von Chronifizierungen von Krankheiten (Tertiärprävention). An Risikofaktoren orientierte Imp­fungen, Aufklärungen und Reihenuntersuchungen (z.B. Kariesprophylaxe) bilden «klassische» Mittel der Prävention.

Mit der Erweiterung der risikoorientierten Ver­haltensprävention in Richtung einer an Ressourcen orient­ierten Verhältnisprävention, z.B. in Form des Arbeits­schutzes (u.a. durch Schulwegsicherung, Unfallverhü­tung oder Ergonomie), werden fliessende Übergänge zur Gesundheitsförderung gebildet.

 

Problemlösefertigkeit bedeutet, Probleme (Aufgaben, Streitfragen, Konflikte) konstruktiv anzugehen, indem man sie als solche erkennt, geeignete Strategien zu ihrer Lösung zur Verfügung hat und sie auf förderliche Weise zu bewältigen sucht.

 

Resilienz (Spannkraft, Elastizität) bezeichnet allgemein die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen umzugehen und personale und soziale Kompetenzen und Ressourcen erfolgreich zu nutzen, um schwierigen Lebensumständen zu trotzen und kritische Ereignisse und Risikobedingungen erfolgreich zu bewältigen.

 

Salutogenese. Warum bleiben Menschen – trotz vieler potenziell gesundheitsgefährdender Einflüsse – gesund? Wie schaffen sie es, sich von Erkrankungen wieder zu erholen? Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremster Belastungen nicht krank werden? Der Sozialmediziner Aaron Antonovsky (1923–1994) prägte zur Beantwortung dieser Fragen und zur Unter­streichung seiner neuen Blickrichtung den Neologis­mus «Salutogenese» (Salus, tat.: Unverletztheit, Heil, Glück; Genese, griech.: Entstehung). Das Salutogenese-Modell setzt mit seiner Kritik am Pathologiekonzept vor allem auf eine positive Definition von Gesundheit, auf gesunderhaltende (Schutz- und Gestaltungs-) Faktoren, auf die Integration und Wechselwirkung einzelner Faktoren, auf die Orientierung an Ressourcen (Stärken, Möglichkeiten,...), auf einen umfassenden Kompetenzerwerb (Empowerment) sowie auf die Betonung von fördernden Umfeldaspekten (Resonanzräume, Setting).

 

Schulentwicklung (SE) beschreibt die systematische Verbesserung einer Schule in den Dimensionen Unter­richtsentwicklung, Personalentwicklung (PE), Team­entwicklung und Organisationsentwicklung (OE). SE als innere Schulreform setzt «Lernende Schulen» voraus, die partizipativ ein gemeinsames Schulprofil Schritt für Schritt mit den Mitteln eines Schulprogrammes um­setzen.

 

Schulklima ist ein Spiegel der Beziehungen und gelebt­en Werte und Haltungen aller Akteure einer Schule. Es ist das Ergebnis individueller und gemeinsam konstru­ierter Wirklichkeiten.

Das Schulklima (inkl. Klassen- und Unterrichtsklima) ist ein wesentlicher Wirkungsfaktor für die Leistungs­bereitschaft und -fähigkeit sowie die Zufriedenheit und Gesundheit aller Akteure der Schule:

«Ein Schulklima, in dem gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung zwischen Lehrer/innen, Schüler/in­nen und Eltern gedeihen, das die Ermutigung und das Zutrauen zum Prinzip macht, das unterstützt und her­ausfordert und vor allem niemanden allein lässt, ein solches Klima wirkt leistungs- und auch gesundheits­fördernd. Das Schulklima wirkt hinein in alle Dimen­sionen der Qualitätsentwicklung: Z.B. in Bezug auf die Lernkultur, die Lernergebnisse und -erfolge, die Lehrerprofessionalität und das Management. Das Schul­klima ist bestimmend für das Schulleben und das Ethos in der Schulgemeinde.» (Bertelsmann Stiftung: Prima Klima. Miteinander die gute gesunde Schule gestalten. Gütersloh 2005)

Ausgewählte Ergebnisse der Schul- und Gesundheitsforschung belegen die zentrale Bedeutung des Schulklimas, wie z.B.:

  • «Schulen mit einem offenen Schulklima, das von ge­genseitigem Vertrauen geprägt ist und in dem sich die Lehrpersonen engagieren, zeigen tendenziell höhere Werte in der gesamten Schuleffektivität und in den Lernleistungen.» (Hans Seitz/Roman Capaul: Schulführung und Schulentwicklung. Theoretische Grundlagen und Empfehlungen für die Praxis. Bern, Stuttgart, Wien 2005)
  • «Ein positives Schulklima verstärkt das Engagement der Lehrpersonen im täglichen Unterricht sowie in Schulentwicklungsprozessen.» (Seitz/Capaul 2005)
  • «Das Schulklima ist eine der wichtigsten Einflussgrössen für die Gesundheit der Jugendlichen.» (Vuille/Schenkel, 2000)
  • «Die Gesundheit der Schüler und Schülerinnen ist ab­hängig vom Schulklima (...). Je höher der Schulklima-Wert, über desto mehr Schutzfaktoren verfügen die Schüler/innen. (...) An Schulen mit gutem Klima wird weniger geraucht, weniger Alkohol, Cannabis und Psy­chopharmaka konsumiert und es treten weniger Ess-Störungen und psychosomatische Beschwerden auf.» (Vuille 2002)

Schulprofil ist eine öffentliche Selbstdarstellung einer Schule (Broschüre, Website o.a.), in der das (pädago­gische) Leitbild sowie die aktuellen Bildungsangebote und Bildungsschwerpunkte in Form eines Schulpor­träts beschrieben sind.

 

Schul(entwicklungs)programm ist ein internes Ar­beitspapier in Form eines selbst geschriebenen «Re­giebuches», in dem die geplanten Schwerpunkte und Schritte einer Schule in den kommenden 2–3 Schuljahren beschrieben und festgelegt sind.

 

Selbstwahrnehmung. Bezieht sich auf das Erkennen der eigenen Person, des eigenen Charakters, eigener Stärken und Schwächen, Wünsche, Befindlichkeiten und Abneigungen sowie auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Bedürfnisse. Es geht dabei darum, ein differenziertes und reflektiertes Bild seiner selbst zu entwickeln.

Eine gute Selbstwahrnehmung ist eine Voraussetzung für Empathie, zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation. Es fördert einen positiven Selbstwert und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

 

Settingansatz. Mit Setting («Schauplätze» im Sinne von Handlungs- und Lebensräumen) wird ein soziales oder auch räumliches System beschrieben, das einer­seits eine Vielzahl relevanter Einflüsse auf eine be­stimmte Personengruppe umfasst und in dem an­dererseits die Voraussetzungen von Gesundheit und Krankheit auch gestaltet werden können. Settings beste­hen aus Personen(gruppen), die in spezifischen Rollen/Funktionen sowie in Relationen beschrieben werden, aber auch deutlich von der weiteren sozialen Umwelt unterschieden werden können. Typische Settings sind Schulen.

Indem die Gesundheit durch die Gestaltung der Lebenswelt gefördert wird, folgt die Gesundheitsförderung dem Settingansatz.

«Der Settingansatz ist eine wichtige Basisinnovation und -intervention schulischer Gesundheitsförderung. (...) Er ergänzt auf sinnvolle Weise die bisher domi­nierenden problembasierten Ansätze, weil er für diese einen Verständigungsrahmen zur Verfügung stellt. Er bietet Anknüpfungspunkte für spezifische themen- und problembezogene Gesundheitsinterventionen in Schu­len. Impulse können leichter aufgegriffen und sinnvoll in den umfassenderen gesundheitsförderlichen Schulentwicklungsprozess integriert werden, der durch den Settingansatz verwirklicht wird.» (Peter Paulus et al. 2000)

 

Soziale Erfindungen. Der durch Robert Jungk geprägte Begriff «Soziale Erfindungen» steht für das Ergebnis eines partizipativen Prozesses, bei dem Betroffene zu Beteiligten ihrer eigenen Entwicklung werden und gemeinsam Antworten auf die Frage «Wie wollen wir leben?» finden. Im Gegensatz zu technischen Erfin­dungen lösen soziale Erfindungen Herausforderungen für das Gemeinschaftsleben, wie z.B. Klassenregeln, Nutzungsideen für die Schularchitektur oder Aufbau von Erzeuger-/Verbraucher-Netzwerken. Die Förderung sozialer Erfindungen setzt den Einsatz partizipativer und kreativer Methoden voraus, wie z.B. Szenarien­methoden, Zukunftswerkstätten oder Planungszirkel. Soziale Erfindungen bilden das Herzstück der Gesund­heitsförderung.

 

Stressbewältigung. Diese Fähigkeit bezeichnet das Erkennen von Ursachen und Auswirkungen von Stress sowie das Beherrschen von Strategien für einen förderlichen Umgang mit Stress. Die Strategien können einerseits problemlöseorientiert, andererseits emotionsregulierend sein.

 

«Das Wohlbefinden von Schüler/Schülerinnen bezeichnet eine subjektive Erlebnisqualität, bei der positive Gefühle und Gedanken gegenüber der Schule, den Personen und dem schulischen Kon­text bestehen und gegenüber negativen Gefühlen und Gedanken dominieren. (...) Wohlbefinden in der Schule bezieht sich auf die indivi­duellen emotionalen und kognitiven Bewertungen im sozialen Kontext schulischer bzw. schulbezogener Er­lebnisse und Erfahrungen. (...) Wohlbefinden in der Schule stellt (...) eine Grundlage für die Entfaltung des Lernens dar. (...) Freude ist da­bei nicht als Spaß oder Alberei misszuverstehen. Vielmehr handelt es sich um ein tiefgehendes, positives Gefühl, das auf Kompetenzerleben im Lernprozess und auf Anerkennung basiert.» (Tina Hascher: Wohlbefinden in der Schule, Waxmann: 2004)

Für die Schule sind drei Entstehungsbedingungen für das Wohlbefinden von Schülern und Schülerinnen rele­vant:

  • Lehrpersonen, deren pädagogisches Handeln auf Fürsorge und Gerechtigkeit beruht und die hohe Unterrichtskompetenz besitzen;
  • ein leistungsorientiertes Klima, das aber frei von Leistungsdruck ist;
  • soziale Interaktionen zwischen den Schülern und Schülerinnen, die gerade auch in den Schulpausen von einem positiven Miteinander geprägt sind.

(vgl. Hascher, 2004; Hascher & Lobsang 2004)